Marktstudie Südkorea: Exportchancen für Fleisch aus Deutschland

Die CMA-Studie bietet einen Überblick über die Strukturen der südkoreanischen Fleischwirtschaft und zeigt Absatzchancen auf, die sich aus der Marktöffnung für deutsche Exporteure ergeben können. Für Fleisch aus Deutschland ist Südkorea ein interessanter Absatzmarkt.

Zusammenfassung und Bewertung

Südkoreaner legen bei Fleisch und Fleischwaren großen Wert auf Qualität, Frische und Produktsicherheit. Insbesondere frisches Schweinefleisch wird bevorzugt gekauft. Fleisch stellt mit 14,2 Prozent die zweitgrößte Position bei den Lebensmittelausgaben dar. 2007 wurden 19,2 Kilogramm Schweinefleisch pro Kopf verzehrt. Die Nachfrage stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich. Auch der Import von Schweinefleisch hat seit 2003 stetig zugenommen. Dieser wuchs von 129.000 Tonnen im Jahr 2003 auf 247.000 Tonnen in 2007 an. Damit ist Südkorea weltweit der viertgrößte Importeur von Schweinefleisch und ein interessanter Markt.

Während der südkoreanische Markt für Geflügelprodukte und lebendes Geflügel aus Deutschland seit Mitte 2008 offen ist, darf zurzeit noch kein deutsches Schweine- und Rindfleisch importiert werden. Gespräche zwischen deutschen und koreanischen Behörden streben eine baldige Öffnung des Landes für Schweinefleischeinfuhren aus Deutschland an.

Mit einer Einwohnerzahl von 49,2 Millionen Menschen und einer dynamisch wachsenden Wirtschaft stellt Südkorea einen interessanten Absatzmarkt dar. Für das laufende Jahr wird ein Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP) von vier Prozent und für 2009 von fünf Prozent prognostiziert. Getragen wird dieses Wachstum von den im Export tätigen koreanischen Unternehmen (z.B. LG, Samsung, Hyundai Automotive). Das durchschnittliche BIP pro Kopf betrug im Jahr 2007 ca. 21.000 US-Dollar. Auch wenn Südkorea die Folgen der "Asienkrise" von 1997 nach Japan am besten bewältigt hat, kann nicht übersehen werden, dass der Export für nur 40 Prozent der koreanischen Wirtschaft steht und weniger als ein Drittel der Arbeitnehmer beschäftigt. Diese Situation führt zu enormen Disparitäten der Einkommen, indem eine kleine Schicht mit sehr hohen Einkommen einer großen Gruppe mit relativ niedrigen Einkommen gegenübersteht. Die Sparquote der südkoreanischen Haushalte ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken und die Überschuldung gestiegen. Aus diesem Grund hat der seit April 2008 amtierende Ministerpräsident Han Seungsoo die Industrie zu einer stärkeren Diversifizierung und einer Steigerung der Research & Development-Investitionen aufgefordert. Durch diese "Wiederbelebung" der Wirtschaft soll eine durchschnittliche jährliche BIPWachstumsrate von sieben Prozent erzielt werden, die Südkorea innerhalb der nächsten zehn Jahre zur siebtgrößten Volkswirtschaft machen und die durchschnittlichen Einkommen auf 40.000 US-Dollar steigen lassen soll. Außerdem soll Südkorea so seinen wissenschaftlichtechnologischen Vorsprung vor China halten.

In der koreanischen Landwirtschaft erwirtschaften 7,5 Prozent der Beschäftigten noch 3 Prozent des BIP. Wichtigstes Agrarprodukt ist Reis mit einem Selbstversorgungsgrad von 98 Prozent. Bei allen anderen Agrarprodukten muss Südkorea ca. 70 Prozent seines Bedarfs importieren. Aus diesem Grund hat die neue Regierung im Jahr 2008 ein Förderprogramm in Höhe von 135 Millionen US-Dollar zur Steigerung der Effizienz in der Produktion und Vermarktung sowie zur Profilierung von inländischen Produkten gestartet.

Der südkoreanische Lebensmittelmarkt ist ein Hochpreismarkt. Entsprechend hoch ist mit 25 Prozent auch der Anteil der Ausgaben für Nahrungsmittel an den Gesamtausgaben der privaten Haushalte. Fleisch ist mit 14,2 Prozent nach Getreide die zweitgrößte Position bei den Nahrungsmittelausgaben. Die südkoreanischen Verbraucher haben eine Präferenz für frisches Schweinefleisch. Die Nachfrage ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, im Jahr 2007 wurden 19,2 kg Schweinefleisch verzehrt. Aufgrund des knappen Angebots und der hohen Preise ist der Rindfleischkonsum auf 7,6 kg/Kopf gesunken. In vielen Gerichten wurde Rindfleisch inzwischen durch Schweinefleisch substituiert. Südkorea ist ein hoch konzentrierter Markt. Mit ca. 23 Millionen Menschen leben 46 Prozent der koreanischen Bevölkerung in der Metropolregion Seoul, auf die 70 Prozent der südkoreanischen Einzelhandelsumsätze entfällt. Die modernen Betriebstypen haben einen Anteil von ca. 40 Prozent am koreanischen Einzelhandelsmarkt, von den traditionellen Vertriebstypen wie Nachbarschaftsläden "momnpop stores", Spezialgeschäften oder Märkten werden noch immer 60 Prozent gehalten. An dem Einzelhandelsvolumen von ca. 150 Milliarden US-Dollar hat der Lebensmitteleinzelhandel einen Anteil von 32 Prozent. Der moderne Lebensmitteleinzelhandel wird von koreanischen Unternehmen dominiert und ist durch Hypermärkte geprägt. Dieser Betriebstyp verdankt seinen rasanten Aufstieg der wirtschaftlich schwierigen Lage Ende der 1990er Jahre, als der Preis verstärkt in den Fokus der Verbraucher rückte.

Trotz des gestiegenen Preisbewusstseins der Verbraucher haben die koreanischen Hypermärkte ein extrem hohes Niveau hinsichtlich Frische und Produktqualität, aber auch im Hinblick auf Warenpräsentation und Dienstleistung. Wichtige Verbrauchertrends sind:

  • extrem kritische und sensible Einstellung im Hinblick auf Qualität, Frische und Sicherheit der Produkte,
  • hohe Präferenz für koreanische Produkte,
  • importierte Lebensmittel werden als weniger sicher eingestuft,
  • steigende Nachfrage nach Bioprodukten,
  • sinkende Nachfrage nach Reis, steigender Verzehr von Getreideprodukten, Fisch, Gemüse und Fleisch,
  •  steigende Nachfrage nach Convenience-Produkten wie Bulgogi oder Kimchi,
  • sinkende Tendenz für das Kochen zu Hause, steigende Ausgaben für den Außer HausVerzehr (Restaurants, Kantinen, Convenience Stores)
  • wachsender Anteil des Online-Handels.

Hinsichtlich der Sicherheit von Lebensmitteln reagieren die südkoreanischen Verbraucher sehr sensibel bis "hysterisch". So kam es im Sommer 2008 in Seoul zu Straßenschlachten, als 15.000 Menschen gegen die Aufhebung des BSE-bedingten Importstopps für US-Beef ohne Knochen protestierten. Verschärfte Kontrollen (jeder Karton USBeef wird in der Quarantänestation durchleuchtet), erhöhte Sicherheitsgarantien der USA, die Androhung der Nicht-Ratifizierung des Korea-USA-Freihandelsabkommens, die Entlassung hoher koreanischer Beamter und das Werben der US-Außenministerin Rice für die Sicherheit von US-Beef konnten die Meinung ändern. Mit einer großen Anzeigenkampagne in den drei größten Zeitungen, zehn weiteren führenden Tageszeitungen und zwei Wirtschaftsmagazinen werben die USA im Vorfeld des "Chuseck" (Ferien zum koreanischen Erntedankfest im September) für Vertrauen in US-Beef. Die Anzeigenmotive zeigen eine amerikanische Drei-Generationen-Familie in einem Getreidefeld mit der Aussage, dass das nach Korea exportierte Fleisch dieselbe Qualität hat wie das für amerikanische Familien. Im Inland ist im Rindfleischsektor ein Programm zur Rückverfolgbarkeit implementiert worden, das im Dezember 2008 an den Start gehen soll. Jedes Teilstück erhält einen Code. Diesen Code kann der Verbraucher im Internet eingeben und sich so persönlich vergewissern, wo das Fleisch herkommt. Im Bereich Hotel, Restaurant und Institutionen muss gekennzeichnet werden (Speisekarte oder Display), wenn die Gerichte überwiegend aus importiertem Fleisch zubereitet sind. Diese Regelung ist bei Rindfleisch verpflichtend und bei Schweinefleisch freiwillig.

Für Fleisch aus Deutschland ist Südkorea ein interessanter Absatzmarkt. Südkorea ist ein Hochpreismarkt, so erzielten im September 2008 frische Schweinebäuche aus Inlandsproduktion einen Preis von 9,20 Euro/kg, importierte Ware kam auf durchschnittlich 4,10 Euro/kg. Die aktuellen Preise auf Groß- und Einzelhandelsstufe können unter www.kmta.or.kr eingesehen werden. Die koreanischen Konsumenten haben eine hohe Präferenz für Schweinefleisch und hier für frisches, fettes Bauchfleisch zum Kochen oder Grillen. Das beliebte Gericht aus Bauchfleisch heißt Samgyeopsal, aus Nackenfleisch wird es Posam genannt. Ein Gericht, für das vorwiegend Pfoten (Eisbein/Spitzbein) verwendet werden, heißt Jokbal. Zu beliebten gegrillten Spezialitäten in Restaurants zählen Kalbi, hierfür werden Rippen vom Schwein oder Rind verwendet. Wichtige Teilstücke sind Bäuche, Nacken, Rippen und Schultern. Die meisten Teilstücke werden zum Grillen, dem Korean Barbecue, verwendet. Beim Rindfleisch sind Teilstücke wie das Schulterfilet für das Bulgogi (marinierte Rindfleischstreifen aus der Pfanne), die Dicke Rippe für Galbi chim (Suppe aus Fleisch, Karotten und Rettich) und alle Teilstücke, die sich zum Grillen eignen, sehr beliebt. Wichtig ist das Herausstellen der hohen Qualität und Sicherheit der Produkte und der Produktionsabläufe. Für die Geschäftsanbahnung empfiehlt sich eine ausführliche Darstellung der Produktionsabläufe und der verschiedenen Schritte zur Rückverfolgbarkeit vom Teilstück zum lebenden Tier. Im LEH sind entsprechende Informationen zu den Produkten, zum Unternehmen sowie auf den koreanischen Geschmack abgestellte Rezepte sehr hilfreich.

Beim Absatzweg fleischverarbeitende Industrie sollte Bereitschaft zur Entwicklung neuer Zuschnitte gezeigt werden. Die Verarbeitungsindustrie stellt für die Convenience Stores verstärkt Produkte her, die die Verbraucherwünsche nach innovativen Produkten mit hohen Qualitäts und Convenience-Aspekten erfüllen. Für den Gastronomiesektor produziert die Industrie speziell portionierte Ware, die dann häufig unter dem Markennamen der großen Gastronomiedistributoren vertrieben wird.

Da die Koreaner sehr technisch orientiert sind, empfiehlt es sich auch, den hohen technischen Standard in Produktion, Lagerung, Versand und Abwicklung aufzuzeigen. Dieser rationale Vorteil kann abgerundet werden durch die lange Tradition und Erfahrung in der Herstellung deutscher Fleisch- und Wurstspezialitäten.

Welche Absatzchancen sich aus der Marktöffnung für deutsche Exporteure ergeben können, zeigt die Marktstudie auf. Die CMA-Marktstudie bietet einen Überblick über die Strukturen der südkoreanischen Fleischwirtschaft. Zudem informiert sie zu Distribution, Einfuhrverfahren und zur Lebensmittel-Gesetzgebung. Darüber hinaus steht eine Adressliste führender Import- und Exportunternehmen von Fleisch, Verarbeitungsunternehmen der Fleischbranche sowie Lebensmitteleinzelhandels-Unternehmen zur Verfügung.

Die vollständige Studie finden Sie hier: Marktstudie Südkorea: Exportchancen für Fleisch aus Deutschland ( 146 KB) .